OnkologieWegweisende klinische Studien

T-DM1 bei Resterkrankung des HER2-positiven Mammakarzinoms

Eine Frau im grünen Krankenhauskittel lächelt neben einem Mammografiegerät, im Hintergrund eine Fachkraft im weißen Kittel
Inhaltsverzeichnis
  1. Warum dies ein Szenario für klinisches Denken ist
  2. Wer ist Kandidatin: die Resterkrankung als Hinweis
  3. Was KATHERINE untersuchte
  4. Was KATHERINE zeigte
  5. Wie adjuvantes T-DM1 angewendet wird
  6. Regulatorischer Status: FDA und EMA
  7. Wie NEXO hilft, dieses Denken zu trainieren
  8. Häufige Fragen
  9. Abschließende Checkliste
  10. Referenzen

Eine 44-jährige Lehrerin entdeckte einen 4 cm großen Knoten in der linken Brust und einen verhärteten Lymphknoten in der Achselhöhle. Die Biopsie zeigte ein invasives HER2-positives Karzinom mit positivem Östrogenrezeptor. Sie erhielt vor der Operation eine Chemotherapie mit Taxan, Trastuzumab und Pertuzumab, und der Tumor verkleinerte sich deutlich. Im Präparat der Mastektomie fand der Pathologe jedoch 8 mm residuales invasives Karzinom und einen Lymphknoten mit Metastase. Die Echokardiografie vor der Chemotherapie war normal, und sie berichtet, seit dem Taxan ein Kribbeln in den Füßen zu spüren. In der multidisziplinären Konferenz lautet die Frage, was in den nächsten Wochen zu tun ist. Die Szene ist fiktiv und wurde für den Unterricht geschrieben.

Dieser Text nutzt das Szenario als Grundlage für klinisches Denken für Studierende und Gesundheitsfachkräfte. Das Thema ist Trastuzumab-Emtansin, auch T-DM1 genannt, als adjuvante Behandlung bei HER2-positivem Mammakarzinom mit residualer invasiver Erkrankung nach neoadjuvanter Behandlung, getestet in der KATHERINE-Studie. Der Fokus liegt darauf, das Operationspräparat als Hinweis auf Risiko und Behandlungsauswahl zu lesen, nicht als Endpunkt. Er ersetzt weder das Protokoll Ihrer Einrichtung noch die Entscheidung des multidisziplinären Teams. Wenn Sie den Fall des Tages in NEXO spielen, werden Sie die Herausforderung wiedererkennen: Der wichtigste Hinweis kommt manchmal erst nach der Operation.

Wichtigste Punkte

  • KATHERINE verglich 14 Zyklen T-DM1 mit 14 Zyklen Trastuzumab bei 1486 Patientinnen mit residualer invasiver Erkrankung nach Taxan und Trastuzumab.
  • In der Hauptanalyse waren nach 3 Jahren 88,3 Prozent der T-DM1-Gruppe am Leben und ohne invasive Erkrankung, gegenüber 77,0 Prozent in der Trastuzumab-Gruppe.
  • In der Langzeit-Follow-up-Analyse verbesserte sich auch das Gesamtüberleben, mit einer Hazard Ratio von 0,66.
  • Die Dosis beträgt 3,6 mg/kg intravenös alle 3 Wochen, ohne diese Dosis zu überschreiten und ohne T-DM1 versehentlich durch Trastuzumab zu ersetzen.
  • Die Toxizität ist höher als bei Trastuzumab, mit niedrigen Thrombozyten, erhöhten Transaminasen und peripherer Neuropathie.
  • Die FDA genehmigte die Indikation am 03.05.2019, und der EMA-Ausschuss gab am 14.11.2019 eine befürwortende Stellungnahme ab.

Warum dies ein Szenario für klinisches Denken ist

Beim HER2-positiven Mammakarzinom im Stadium II oder III erfolgt die Chemotherapie mit HER2-Blockade meist vor der Operation (Krawczyk und Mitarbeiter, 2022). Ein Vorteil dieses Weges ist, dass das Operationspräparat zeigt, wie der Tumor angesprochen hat (Matuschek und Mitarbeiter, 2022). Wer eine pathologische Komplettremission erreicht, ohne invasives Karzinom in Brust und Lymphknoten, hat eine bessere Prognose als wer eine residuelle Erkrankung behält (Delgado und Mitarbeiter, 2021). Beim HER2-positiven Karzinom wird die Komplettremission bei 40 bis 60 Prozent der Patienten nicht erreicht (Delgado und Mitarbeiter, 2021). Vor KATHERINE schlossen diese Personen 12 Monate Trastuzumab ab (Delgado und Mitarbeiter, 2021).

Die Idee, das Ansprechen zu nutzen, um das Vorgehen nach der Operation anzupassen, erhielt den Namen postneoadjuvante Behandlung (Matuschek und Mitarbeiter, 2022). Sie erlaubt es, die Behandlung zu intensivieren, wenn das Risiko weiterhin hoch ist, und sie zu reduzieren, wenn die Prognose gut ist (Matuschek und Mitarbeiter, 2022). KATHERINE war die Studie, die diese Idee auf das HER2-positive Karzinom übertrug (Delgado und Mitarbeiter, 2021). Der Beitrag über Zeichen, Symptome und Anamnese hilft, das Kribbeln in den Füßen der Lehrerin nicht zu vergessen, das bei der Auswahl eine Rolle spielt, und der Beitrag über klinische Entscheidungsfindung erinnert daran, dass der Befund des Präparats vor der Entscheidung vollständig vorliegen muss.

Was die Szene lehrt

Die Szene trainiert sechs Gewohnheiten. Die erste ist, den Befund des Präparats auf invasive Erkrankung zu prüfen, nicht nur auf Erkrankung in situ. Die zweite ist zu wissen, welche neoadjuvante Behandlung erfolgt ist, weil die Indikation Taxan und Trastuzumab voraussetzt. Die dritte ist, die Herzfunktion vor dem Beginn zu prüfen. Die vierte ist, nach Neuropathie, Leber und Blutungen zu fragen. Die fünfte ist, die Strahlentherapie und die Hormontherapie gemeinsam mit T-DM1 zu planen. Die sechste ist, der Patientin zu erklären, dass das Ziel darin besteht, das Rückfallrisiko zu senken, und nicht darin, Heilung zu versprechen.

Was nicht zur Debatte steht

Der Text behandelt adjuvantes Pertuzumab nicht im Detail, das Thema des nächsten Textes dieser Reihe. Er diskutiert auch nicht die neuesten Antikörper-Wirkstoff-Konjugate, die in diesem Szenario getestet werden. Der Beitrag über diagnostische Unsicherheit hilft, wenn der Befund Zweifel lässt, was invasive Erkrankung und was In-situ-Erkrankung ist.

Wer ist Kandidatin: die Resterkrankung als Hinweis

Invasive Resterkrankung

KATHERINE schloss Patientinnen mit invasivem Resttumor in der Brust oder in den Achsellymphknoten nach neoadjuvanter Behandlung ein (Fachinformation Kadcyla von 03/2026). Die EMA änderte den Text der Indikation, um klarzustellen, dass nur die invasive Resterkrankung und nicht die In-situ-Erkrankung in die Studie einging (Delgado und Mitarbeiter, 2021). In der Szene bringen die 8 mm invasives Karzinom und der positive Lymphknoten die Lehrerin in die Indikation.

Die durchgeführte neoadjuvante Behandlung

Die Studie verlangte mindestens 9 Wochen Trastuzumab mit taxanbasierter Chemotherapie vor der Operation (Delgado und Mitarbeiter, 2021). Ein zweiter Anti-HER2-Wirkstoff und Anthracyclin waren erlaubt (Delgado und Mitarbeiter, 2021). Laut Fachinformation hatten 77 Prozent Anthracyclin erhalten, und 20 Prozent erhielten einen weiteren Anti-HER2-Wirkstoff, fast immer Pertuzumab (Fachinformation Kadcyla von 03/2026). Das heißt, wenige Patientinnen der Studie erhielten die doppelte Blockade, die heute üblich ist (Delgado und Mitarbeiter, 2021) (Liu und Mitarbeiter, 2026). Die Lehrerin erhielt Trastuzumab mit Pertuzumab, sie gehört also zur kleineren Gruppe der Studie.

HER2 bestätigt

In der Studie war HER2-positiv definiert als Immunhistochemie 3+ oder Amplifikationsverhältnis von 2,0 oder mehr in der In-situ-Hybridisierung, bestätigt in einem Zentrallabor (Fachinformation Kadcyla von 03/2026). Die Fachinformation verlangt einen von der FDA zugelassenen Test, durchgeführt in einem Labor mit nachgewiesener Kompetenz (Fachinformation Kadcyla von 03/2026). Manchmal zeigt das Operationspräparat HER2-negativ bei einem Tumor, der in der Biopsie positiv war (Loibl und Mitarbeiter, 2022). Der Beitrag über Differenzialdiagnose hilft, über die Erklärungen für diesen Wechsel nachzudenken, etwa Testfehler, Heterogenität des Tumors oder Selektion von Zellen durch die Behandlung.

Herz, Leber und Nerven

Patientinnen mit kardiopulmonaler Dysfunktion wurden aus der Studie ausgeschlossen (Delgado und Mitarbeiter, 2021). Die Fachinformation verlangt die Bestimmung der linksventrikulären Ejektionsfraktion vor Beginn und der Leberfunktion vor jeder Dosis (Fachinformation Kadcyla von 03/2026). Die Fachinformation listet keine Kontraindikationen (Fachinformation Kadcyla von 03/2026). Trotzdem zählt das Kribbeln, das die Lehrerin bereits hat, denn periphere Neuropathie war unter T-DM1 häufiger (Delgado und Mitarbeiter, 2021). Der Beitrag über diagnostische Pause hilft, diese Prüfung vor der ersten Infusion vorzunehmen.

Schwarzweißes Echokardiogramm, das die vier Herzkammern zeigt
Echokardiogramm im Vierkammerblick. Die Fachinformation von T-DM1 verlangt die linksventrikuläre Ejektionsfraktion vor Beginn und während der Behandlung. Foto: unbekannter Autor, Wikimedia Commons, gemeinfrei.

Was KATHERINE untersuchte

Design

KATHERINE war eine randomisierte, multizentrische, offene Phase-3-Studie (Delgado und Mitarbeiter, 2021). Von 1925 untersuchten Patientinnen wurden 1486 im Verhältnis 1 zu 1 randomisiert (Delgado und Mitarbeiter, 2021). Die Randomisierung wurde nach klinischem Stadium bei Vorstellung, Hormonrezeptor, Anti-HER2-Behandlung vor der Operation und Lymphknotenstatus nach der Behandlung stratifiziert (Fachinformation Kadcyla von 03/2026). Die Studie war offen, weil die beiden Medikamente sehr unterschiedliche Toxizitäten haben, und die EMA akzeptierte diese Begründung (Delgado und Mitarbeiter, 2021).

Die beiden Arme

T-DM1 wurde intravenös in einer Dosis von 3,6 mg/kg alle 3 Wochen gegeben (Fachinformation Kadcyla von 03/2026). Trastuzumab wurde intravenös in einer Dosis von 6 mg/kg alle 3 Wochen gegeben, nach einer Aufsättigungsdosis von 8 mg/kg (Delgado und Mitarbeiter, 2021). Beide Arme umfassten 14 Zyklen, außer bei Rezidiv, Rückzug der Einwilligung oder unakzeptabler Toxizität (Fachinformation Kadcyla von 03/2026). Wer T-DM1 aus einem anderen Grund als Rezidiv abbrach, konnte die Zeit mit Trastuzumab vervollständigen (Fachinformation Kadcyla von 03/2026).

Strahlentherapie und Hormontherapie

Die Patientinnen erhielten Strahlentherapie und Hormontherapie zusammen mit der Studienbehandlung, gemäß den lokalen Leitlinien (Fachinformation Kadcyla vom 03/2026). Das ist in der Praxis wichtig, weil die Professorin einen positiven Östrogenrezeptor hat und wahrscheinlich beides gleichzeitig mit T-DM1 machen wird.

Endpunkte

Der primäre Endpunkt war das invasive krankheitsfreie Überleben, das Rezidiv in der Brust, lokales oder regionales Rezidiv, Fernmetastase, invasiven Krebs in der anderen Brust oder Tod aus jeglicher Ursache zählt (Fachinformation Kadcyla vom 03/2026). Das Gesamtüberleben war sekundär und konnte nur getestet werden, wenn der primäre Endpunkt positiv war (Delgado und Mitarbeiter, 2021). Die Studie war mit 56 Prozent Power ausgelegt, um eine Hazard Ratio von 0,80 beim Gesamtüberleben zu erkennen, und die EMA erkannte an, dass eine Studie mit höherer Power möglicherweise nicht durchführbar wäre (Delgado und Mitarbeiter, 2021).

Was KATHERINE zeigte

Primäre Analyse

In der geplanten Interimsanalyse mit Datenstichtag 25. Juli 2018 und medianer Nachbeobachtung von etwa 41 Monaten erreichte die Studie den primären Endpunkt (Delgado und Mitarbeiter, 2021). Ein Ereignis trat bei 12,2 Prozent der T-DM1-Gruppe und bei 22,2 Prozent der Trastuzumab-Gruppe auf (Fachinformation Kadcyla vom 03/2026). Die Hazard Ratio betrug 0,50, mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,39 bis 0,64 (Fachinformation Kadcyla vom 03/2026). Nach 3 Jahren waren 88,3 Prozent der T-DM1-Gruppe am Leben und ohne invasive Erkrankung, gegenüber 77,0 Prozent der Trastuzumab-Gruppe (Fachinformation Kadcyla vom 03/2026).

Gesamtüberleben

In der ersten Analyse waren die Überlebensdaten unreif, mit einer Hazard Ratio von 0,70 und einem Intervall von 0,47 bis 1,05 (Delgado und Mitarbeiter, 2021). Deshalb forderte die EMA die finale Analyse des Gesamtüberlebens mit Frist zum 30. Juni 2024 (Delgado und Mitarbeiter, 2021). In der zweiten Interimsanalyse des Überlebens, die in der Fachinformation beschrieben ist, betrug die Hazard Ratio 0,66, mit einem Intervall von 0,51 bis 0,87, und der Unterschied war statistisch signifikant (Fachinformation Kadcyla vom 03/2026). Mit einer medianen Nachbeobachtung von 101 Monaten betrug das invasive krankheitsfreie Überleben nach 7 Jahren 80,8 Prozent mit T-DM1 und 67,1 Prozent mit Trastuzumab, und das Gesamtüberleben nach 7 Jahren betrug 89,1 Prozent und 84,4 Prozent (Geyer und Loibl, 2025).

Die Tabelle fasst die wichtigsten Zahlen zusammen.

MaßT-DM1TrastuzumabQuelle
Ohne invasive Erkrankung nach 3 Jahren88,3 Prozent77,0 Prozent(Fachinformation Kadcyla vom 03/2026)
Hazard Ratio für invasive Erkrankung oder Tod0,50 (0,39 bis 0,64)Referenz(Fachinformation Kadcyla vom 03/2026)
Ohne invasive Erkrankung nach 7 Jahren80,8 Prozent67,1 Prozent(Geyer und Loibl, 2025)
Am Leben nach 7 Jahren89,1 Prozent84,4 Prozent(Geyer und Loibl, 2025)
Hazard Ratio für Tod0,66 (0,51 bis 0,87)Referenz(Fachinformation Kadcyla vom 03/2026)

Wo der Krebs zurückkam

Die Fernmetastase war das häufigste Ereignis in beiden Armen (Delgado und Mitarbeiter, 2021). Bei denen, die ein Rezidiv hatten, war das zentrale Nervensystem der erste Ort bei 43 von 91 Patientinnen mit T-DM1, 47 Prozent, und bei 30 von 165 mit Trastuzumab, 18 Prozent (Delgado und Mitarbeiter, 2021). Die Gesamtzahl der Patientinnen mit Rezidiv im zentralen Nervensystem während der Nachbeobachtung war jedoch ähnlich, 45 gegen 40 (Delgado und Mitarbeiter, 2021). Die EMA kam zu dem Schluss, dass der Nutzen vor allem außerhalb des zentralen Nervensystems auftrat (Delgado und Mitarbeiter, 2021). In der Praxis verdienen neue Kopfschmerzen während der Nachbeobachtung Aufmerksamkeit.

Subgruppen und Biomarker

Bei denen, die vor der Operation zwei oder mehr Anti-HER2-Wirkstoffe erhalten hatten, betrug die Hazard Ratio 0,54, mit einem Intervall von 0,27 bis 1,06 (Delgado und Mitarbeiter, 2021). Das Intervall schließt den Wert 1 ein, weil die Gruppe klein war, daher sollte dieser Befund mit Vorsicht gelesen werden. In der Biomarkeranalyse war der Nutzen von T-DM1 in allen wichtigen Subgruppen konsistent, die durch die HER2-Signalgebung und die Immunaktivierung des Tumors definiert waren (Denkert und Mitarbeiter, 2023). Eine hohe Expression des HER2-Gens in der Resterkrankung war im Trastuzumab-Arm mit mehr Risiko verbunden, im T-DM1-Arm jedoch nicht (Denkert und Mitarbeiter, 2023).

HER2-negativ im Präparat

In 845 Probenpaaren mit gültigem zentralem Ergebnis waren 70 Restproben, 8,3 Prozent, HER2-negativ (Loibl und Mitarbeiter, 2022). In dieser Gruppe gab es 11 Ereignisse bei 42 Patientinnen unter Trastuzumab und keine bei 28 unter T-DM1 (Loibl und Mitarbeiter, 2022). Die Analyse war deskriptiv, mit kleinen Gruppen (Loibl und Mitarbeiter, 2022). Zwei Texte aus 2025 erörtern, ob der Wechsel zu T-DM1 noch gerechtfertigt ist, wenn die Probe HER2-negativ ist: einer sagt ja (Geyer und Loibl, 2025), und der andere äußert Zweifel anhand behandelter Fälle (Tjalma und Mitarbeiter, 2025). Der Beitrag über interprofessionelles klinisches Denken zeigt, warum der Pathologe an diesem Gespräch beteiligt sein muss.

Wie adjuvantes T-DM1 angewendet wird

Dosis und Infusion

Die Fachinformation gibt 3,6 mg/kg intravenös alle 3 Wochen an, insgesamt 14 Zyklen beim frühen Mammakarzinom, außer bei Rezidiv oder nicht beherrschbarer Toxizität (Fachinformation Kadcyla vom 03/2026). 3,6 mg/kg dürfen nicht überschritten werden (Fachinformation Kadcyla vom 03/2026). Die erste Infusion dauert 90 Minuten, mit Beobachtung während und mindestens 90 Minuten danach; die folgenden können 30 Minuten dauern, wenn die vorherigen gut vertragen wurden (Fachinformation Kadcyla vom 03/2026). Die Fachinformation warnt davor, T-DM1 nicht mit Trastuzumab zu verwechseln und umgekehrt (Fachinformation Kadcyla vom 03/2026). 5-prozentige Glukoselösung wird nicht verwendet (Fachinformation Kadcyla vom 03/2026).

Dosisreduktion

Die erste Reduktion geht auf 3 mg/kg, die zweite auf 2,4 mg/kg; ist eine weitere Reduktion nötig, wird die Behandlung abgesetzt (Fachinformation Kadcyla vom 03/2026). Nach einer Reduktion wird die Dosis nicht wieder erhöht (Fachinformation Kadcyla vom 03/2026). Verzögert sich eine Dosis, soll sie so bald wie möglich gegeben werden, mit einem Abstand von 3 Wochen zwischen den Dosen (Fachinformation Kadcyla vom 03/2026).

Regeln für das frühe Mammakarzinom

Die Fachinformation enthält eine eigene Tabelle für das frühe Mammakarzinom. Die folgenden Punkte fassen die wichtigsten Regeln zusammen.

  • ALT über dem 3- bis 20-Fachen der Obergrenze am Tag der Dosis: nicht geben, bis wieder Grad 1 erreicht ist, danach um eine Stufe reduzieren.
  • ALT über dem 20-Fachen der Obergrenze zu jedem Zeitpunkt: endgültig absetzen.
  • Thrombozyten von 25.000 bis unter 75.000 am Tag der Dosis: abwarten, bis wieder 75.000 oder mehr erreicht sind, und die Dosis beibehalten.
  • Thrombozyten unter 25.000: abwarten, bis wieder 75.000 oder mehr erreicht sind, und um eine Stufe reduzieren.
  • Ejektionsfraktion unter 45 Prozent: nicht geben, nach 3 Wochen wiederholen und bei Bestätigung absetzen.
  • Noduläre regenerative Hyperplasie der Leber, Pneumonitis oder interstitielle Lungenerkrankung: endgültig absetzen.

Die Punkte stammen aus der Fachinformation (Fachinformation Kadcyla vom 03/2026). Bei Strahlenpneumonitis im adjuvanten Setting gilt das endgültige Absetzen für Grad 3 oder höher und für Grad 2, der sich unter der üblichen Behandlung nicht bessert (Fachinformation Kadcyla vom 03/2026).

Toxizität in der Studie

Unerwünschte Ereignisse von Grad 3 oder höher traten bei 25,7 Prozent der T-DM1-Gruppe und bei 15,4 Prozent der Trastuzumab-Gruppe auf (Delgado und Mitarbeiter, 2021). Das Absetzen wegen unerwünschter Ereignisse lag bei 18,0 Prozent gegenüber 2,1 Prozent (Delgado und Mitarbeiter, 2021). Unter T-DM1 gab es mehr niedrige Thrombozytenwerte, 28,5 Prozent gegenüber 2,4 Prozent, mehr Hepatotoxizität, 37,3 Prozent gegenüber 10,6 Prozent, mehr periphere Neuropathie, 32,3 Prozent gegenüber 16,9 Prozent, und mehr Blutungen, 29,2 Prozent gegenüber 9,6 Prozent (Delgado und Mitarbeiter, 2021). Eine kardiale Dysfunktion war in der Trastuzumab-Gruppe etwas häufiger (Delgado und Mitarbeiter, 2021). Die Fachinformation nennt Pneumonitis bei 1,1 Prozent der mit T-DM1 behandelten Patientinnen in KATHERINE (Fachinformation Kadcyla vom 03/2026). Der Beitrag über klinische Verschlechterung auf der Station hilft, die Verschlechterung einer Patientin mit Blutung oder Atemnot zu erkennen.

Eine Gesundheitsfachkraft mit violetten Handschuhen hält einen Infusionsbeutel und prüft das Infusionsbesteck
Eine Fachkraft prüft einen intravenösen Infusionsbeutel, bevor sie das Infusionsbesteck anschließt. Bei T-DM1 verhindert die Prüfung des Etiketts die Verwechslung mit Trastuzumab, die die Fachinformation verbietet. Foto: Sgt. Timothy Stephens, Wikimedia Commons, gemeinfrei.

Gleichzeitige Strahlentherapie

In einer Serie von 35 Patientinnen, die eine Strahlentherapie der Brust oder der Thoraxwand zusammen mit T-DM1 erhielten, hatten 66 Prozent eine Hautreaktion von Grad 2 und 9 Prozent von Grad 3 (Dastgheyb und Mitarbeiter, 2023). Alle sprachen auf die übliche Behandlung an, und niemand hatte langfristige Hautbeschwerden (Dastgheyb und Mitarbeiter, 2023). Die Autoren mahnen zur Aufmerksamkeit für die Haut, wenn beide Behandlungen zusammen erfolgen (Dastgheyb und Mitarbeiter, 2023).

In der Praxis

In einer französischen Kohorte von 102 außerhalb von Studien behandelten Patientinnen mit einem medianen Follow-up von 44 Monaten hatten 7 Prozent Fernmetastasen, und das krankheitsfreie Überleben nach 4 Jahren betrug 92,5 Prozent (De Moura und Mitarbeiter, 2025). Der erste Rezidivort war bei 5 Patientinnen das zentrale Nervensystem, und der einzige mit einem Rezidiv verbundene Faktor war ein positiver Lymphknoten bei der Diagnose (De Moura und Mitarbeiter, 2025). In einer türkischen Kohorte von 102 Patientinnen erzielte adjuvantes T-DM1 mit verschiedenen neoadjuvanten Schemata gute Ergebnisse (Agaoglu und Mitarbeiter, 2025). In einer chinesischen Kohorte von 272 Patientinnen zeigten Trastuzumab mit Pertuzumab und T-DM1 nach 3 Jahren keinen statistischen Unterschied, doch die Autoren weisen darauf hin, dass das Ergebnis nur Hypothesen erzeugt und keine Äquivalenz belegt (Liu und Mitarbeiter, 2026). In dieser Kohorte hatte T-DM1 mehr unerwünschte Ereignisse vom Grad 3 oder höher (Liu und Mitarbeiter, 2026).

Regulatorischer Status: FDA und EMA

FDA

Kadcyla hat bei der FDA die BLA 125427, mit ursprünglicher Zulassung am 22.02.2013 für die metastasierte Erkrankung (Drugs@FDA, BLA 125427). Das Supplement S-105, das die adjuvante Anwendung bei residueller invasiver Erkrankung nach Taxan und Trastuzumab hinzufügte, wurde am 03.05.2019 zugelassen (Drugs@FDA, BLA 125427) (FDA-Zulassungsschreiben vom 03.05.2019). Die aktuelle Fachinformation wurde im 03/2026 überarbeitet und enthält im hervorgehobenen Warnhinweis die Hepatotoxizität, die kardiale Toxizität und die Toxizität für den Fetus (Fachinformation Kadcyla von 03/2026).

EMA

Bei der EMA erhielt Kadcyla am 19.09.2013 eine befürwortende Stellungnahme und am 15.11.2013 die Genehmigung für das Inverkehrbringen (Kadcyla-Seite bei der EMA). Der Antrag auf Erweiterung für die adjuvante Anwendung wurde am 4. Februar 2019 gestellt (Delgado und Mitarbeiter, 2021). Die Erweiterung wurde im Verfahren II/0045 bewertet, mit Stellungnahme des Ausschusses für Humanarzneimittel am 14.11.2019 (Bewertungsbericht der EMA, 2019). Die europäische Indikation nennt eine residuelle invasive Erkrankung in der Brust oder in den Lymphknoten nach neoadjuvanter Behandlung mit Taxan und Anti-HER2-Therapie (Kadcyla-Seite bei der EMA).

Wie NEXO hilft, dieses Denken zu trainieren

Bei NEXO ist der Fall des Tages fiktiv, mit realer klinischer Präsentation und bis zu sechs fortschreitenden Hinweisen, und Sie schlagen die Diagnose vor, indem Sie den Code in der ICD-10 suchen. Adjuvantes T-DM1 ist eine gute Übung, weil der entscheidende Hinweis, der Befund des Operationspräparats, erst nach Monaten der Behandlung kommt. Der Beitrag über fallbasiertes Lernen in der klinischen Ausbildung erklärt, warum dieses Format das Wissen festigt.

Drei Übungen mit Fällen

Ändern Sie das Präparat. Sagen Sie, was sich ändert, wenn der Befund nur ein residuelles Carcinoma in situ ohne invasive Erkrankung zeigen würde.

Ändern Sie das Labor. Sagen Sie, was Sie tun würden, wenn am Tag der Dosis im zweiten Zyklus die Thrombozyten bei 60.000 lägen.

Ändern Sie das Herz. Sagen Sie, was Sie tun würden, wenn die Echokardiografie im vierten Zyklus eine Ejektionsfraktion von 43 Prozent zeigen würde.

Der Beitrag über Simulation von Arzt-Patienten-Gesprächen hilft, das Gespräch mit der Patientin über Nutzen, Toxizität und Unsicherheit zu trainieren.

Die Grenzen der Nutzung des Spiels sind auf der Seite Wirtschaft von NEXO beschrieben. Wenn Sie die Vermittlung klinischen Denkens erforschen, erklärt die Seite für Researcher, wie Sie Kontakt aufnehmen können. Fachleute, die Fälle schreiben oder überprüfen, finden Informationen unter Curator und unter Creators, und Institutionen können das Angebot auf der Seite für Partnerschaften kennenlernen.

Häufige Fragen

Heilt adjuvantes T-DM1 Brustkrebs?

Die Studie zeigte weniger Rezidive und mehr Überleben, keine garantierte Heilung. Nach 7 Jahren waren 80,8 Prozent der T-DM1-Gruppe ohne invasive Erkrankung (Geyer und Loibl, 2025).

Wie hoch ist die Dosis?

3,6 mg/kg intravenös alle 3 Wochen, über 14 Zyklen (Fachinformation Kadcyla von 03/2026).

Sollte jemand mit vollständiger pathologischer Remission T-DM1 erhalten?

Nicht nach der Indikation. Die Studie schloss nur Patientinnen mit residueller invasiver Erkrankung ein (Fachinformation Kadcyla von 03/2026).

Und wenn die Patientin vor der Operation Pertuzumab erhalten hat?

Sie fällt unter die Indikation, doch diese Gruppe war in der Studie klein, etwa 18 Prozent (Delgado und Mitarbeiter, 2021).

Kann ich gleichzeitig eine Strahlentherapie machen?

Ja, die Studie erlaubte es, doch die Hautreaktion kann stärker sein (Fachinformation Kadcyla von 03/2026) (Dastgheyb und Mitarbeiter, 2023).

Abschließende Checkliste

  • Ich habe eine residuelle invasive Erkrankung im Befund des Operationspräparats bestätigt.
  • Ich habe Taxan und Trastuzumab in der neoadjuvanten Behandlung bestätigt.
  • Ich habe das HER2 der Biopsie überprüft und, falls vorhanden, das des Operationspräparats.
  • Ich habe die Ejektionsfraktion vor dem Beginn angefordert.
  • Ich habe Leberfunktion und Thrombozyten vor jeder Dosis angefordert.
  • Ich habe nach Neuropathie und Blutungen gefragt.
  • Ich habe das Etikett geprüft, um es nicht mit Trastuzumab zu verwechseln.
  • Ich habe erklärt, dass das Ziel die Senkung des Rezidivrisikos ist.

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Referenzen

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  2. Dastgheyb SS, Kim K, Doucette A, et al. Acute skin radiation toxicity seen with concurrent T-DM1: A single institutional report of 35 patients. Breast. 2023. PMID 36566691.
  3. De Moura A, Gleizes O, Cabel L, et al. Efficacy and toxicity of post-neoadjuvant trastuzumab emtansine in HER2-positive breast cancer patients treated at Institut Curie Hospitals. Sci Rep. 2025. PMID 41203771.
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