Fehlerheft: Lücken im Studium finden

Zerbrochene Lampe mit Scherben am Boden

Nach einem Fehler ist die erste Reaktion oft, die richtige Antwort nachzusehen und weiterzumachen. Zwei Fragen bringen mehr: Was hat gefehlt und warum. Die erste zeigt den Inhalt; die zweite zeigt die Art der Lücke, und sie sagt, was als Nächstes zu lernen ist.

NEXO ist ein tägliches medizinisches Diagnosespiel: ein klinischer Fall pro Tag, sechs progressive Hinweise und ICD-10-Nähefeedback in fünf Stufen.

Dieser Text ist ein Leitfaden für ein Fehlerheft für alle, die Medizin studieren: warum es sich lohnt, auf Fehler zu schauen, wie man sie festhält, wie man die Art des Fehlers trennt, wie man in einem Zyklus wiederholt und wie man liest, bei welchem Hinweis des Falls man sich verloren hat. Der Effekt des Sich-selbst-Testens steht im Text über Wiederholen durch Spielen, und wie man Fehler in Karten mit Intervallen überführt, im Leitfaden zur verteilten Wiederholung mit Anki.

Die wichtigsten Punkte

  • Zu versuchen zu antworten und zu scheitern, gefolgt von der richtigen Antwort, hilft mehr beim Lernen als nur die Antwort zu lesen.
  • Die Rückmeldung nach dem Fehler wiegt am schwersten; unsichere richtige Antworten verdienen ebenfalls eine Wiederholung.
  • Die Selbsteinschätzung ohne Daten scheitert oft; das Heft ersetzt den Eindruck durch Aufzeichnung.
  • Die Art des Fehlers zu trennen, etwa fehlendes Wissen, Denken oder Aufmerksamkeit, zeigt, was danach zu tun ist.
  • Das Heft in einem Zyklus zu wiederholen und erneut zu testen, schließt die Lücke; das Heft erneut zu lesen hilft weniger.
  • Bei NEXO zeigen die bis zu sechs Hinweise und die Nähe in der ICD-10, an welchem Punkt des Falls sich das Denken geändert hat.

Inhalt

Warum auf Fehler schauen

Das Fehlerheft geht von einer einfachen Idee aus: Der Fehler ist ein Datum. Er zeigt genauer, wo die Lücke ist, als das Gefühl, dass ein Thema "schwach" ist. Die Studien unten haben keine Fehlerhefte getestet; sie zeigen, warum Fehlermachen und Korrigieren hilft und warum es riskant ist, sich nur auf den Eindruck zu verlassen.

Versuchen und scheitern lehrt ebenfalls

In sechs Experimenten versuchten die Teilnehmenden zu antworten, bevor sie die Antwort sahen, oder lasen Frage und Antwort zusammen (Kornell et al., 2009). Die Fragen waren so gestellt, dass niemand sie beantworten konnte, etwa Fragen zum Allgemeinwissen, die von den Forschenden erfunden wurden (Kornell et al., 2009). In anderen Experimenten sahen die Teilnehmenden ein Wort und versuchten, ein wenig offensichtliches assoziiertes Wort zu erraten, und die seltenen Treffer wurden aus der Analyse ausgeschlossen (Kornell et al., 2009). Bei beiden Arten von Material verbesserten die erfolglosen Versuche das spätere Lernen (Kornell et al., 2009). In der Testbedingung versuchte die Person zu antworten, bevor sie die Antwort sah; in der Lesebedingung sah sie beide zusammen (Kornell et al., 2009). Die Autoren legen nahe, dass schwierige Tests statt des Vermeidens von Fehlern einer der Schlüssel zum Lernen sein können (Kornell et al., 2009).

Für alle, die mit Fällen lernen, gilt die Botschaft als praktischer Hinweis: Betrachte den Fehler in einer Partie oder bei einer Frage als Teil des Lernens, solange du die Antwort siehst und den Grund verstehst.

Die Rückmeldung wiegt nach dem Fehler mehr

In einem Experiment mit 258 Personen, die Wortpaare in einer unbekannten Sprache lernten, erhöhte die richtige Antwort nach einer falschen Antwort die Behaltensleistung in der Abschlussprüfung 1 Woche später um 494% (Pashler et al., 2005). Die Teilnehmenden sahen das Material 2 Mal und wurden danach in jedem Element mehrmals getestet, je nach Gruppe mit oder ohne Rückmeldung (Pashler et al., 2005). Die Rückmeldung mit der richtigen Antwort verbesserte auch die Leistung schon während der Lernsitzung (Pashler et al., 2005). Die Rückmeldung nach richtigen Antworten machte dagegen kaum einen Unterschied, selbst wenn die Person nicht sicher war (Pashler et al., 2005). Ein weiteres Experiment, bereits im Text über die Lernroutine erwähnt, fand einen Nutzen der Rückmeldung bei richtigen Antworten mit geringer Sicherheit. Für das Heft gilt als praktischer Hinweis: Der Fehler hat Priorität, und unsichere richtige Antworten verdienen mindestens einen Blick. Auch die Art der Rückmeldung wiegt, wie der Text über Spiele zum klinischen Denken erörtert.

Fehler mit großer Sicherheit

In einer Gedächtnisstudie wurden die mit mehr Sicherheit gemachten Fehler in einem neuen Test am meisten korrigiert, entgegen der Erwartung der Autoren (Butterfield und Metcalfe, 2001). Es ist ein Laborergebnis mit einfachem Material: Darin wurde der Fehler, der überraschte, danach am meisten korrigiert. Was die Forschung über Fehlermachen und Korrigieren sagt, steht auch im Text über fallbasiertes Lernen.

Die Selbsteinschätzung scheitert

In einer systematischen Übersichtsarbeit mit Ärztinnen, Ärzten und Assistenzärztinnen und -ärzten zeigten von 20 Vergleichen zwischen Selbsteinschätzung und Fremdeinschätzung 13 eine schwache, keine oder umgekehrte Beziehung, und 7 zeigten einen positiven Zusammenhang (Davis et al., 2006). Die Suche fand 725 Artikel, von denen 17 alle Kriterien erfüllten, mit sehr unterschiedlichen Methoden und Genauigkeitsgraden (Davis et al., 2006). Mehrere Studien fanden die schlechteste Genauigkeit bei den am wenigsten geschickten und den selbstsichersten Personen (Davis et al., 2006). Die Autorinnen und Autoren schließen daraus, dass Ärztinnen und Ärzte nur begrenzt in der Lage sind, sich selbst genau einzuschätzen, und schlagen vor, der Fremdeinschätzung mehr Gewicht zu geben (Davis et al., 2006).

Die Übersichtsarbeit schloss Studien mit Studierenden aus, misst also nicht direkt diejenigen, die sich im Studium befinden (Davis et al., 2006). Trotzdem hilft sie zu verstehen, welche Rolle das Heft spielt: Es ersetzt die Frage "Glaube ich, dass ich es weiß?" durch Daten darüber, was du falsch gemacht hast. Der Zusammenhang zwischen Selbstsicherheit und richtiger Antwort bei Studierenden steht im Text über Spiele zum klinischen Denken.

Erfassen

Erfassen bedeutet, aus jedem Fehler eine Zeile zu machen, die du wieder lesen, prüfen und zählen kannst. Die Form ist weniger wichtig als die Beständigkeit: ein Papierheft, eine Tabelle oder eine Notizdatei sind geeignet.

Was aufschreiben

Als praktischer Tipp kann jede Zeile des Hefts diese Spalten haben:

Spalte Was schreiben
Datum und Herkunft Fall, Frage, Prüfung oder Schicht
Was du geantwortet hast Die Diagnose oder die Antwort, die du gegeben hast
Was es war Die richtige Antwort
Wo es kippte Der Hinweis, die Angabe oder das Wort in der Aufgabenstellung, das deine Antwort hätte ändern müssen
Art des Fehlers Wissen, Denken oder Aufmerksamkeit
Selbstsicherheit Hoch, mittel oder niedrig, bevor du die Antwort gesehen hast
Nächster Schritt Was lernen, welche Karte erstellen oder welche Frage später prüfen
Wiederholungen Die Daten, an denen du erneut geprüft hast, und das Ergebnis

Die Spalte "Wo es kippte" ist die nützlichste und die schwierigste. Sie zwingt dazu, zum Fall zurückzugehen und die Stelle zu finden, an der das Denken hätte kippen müssen. Die Spalte "Selbstsicherheit" zeigt mit der Zeit, ob du häufiger falsch liegst, wenn du sicher bist, oder wenn du Zweifel hast.

Drei Beispielzeilen

Als praktischer Tipp siehst du hier, wie Zeilen des Hefts aussehen, ohne den klinischen Inhalt, nur mit der Struktur:

Herkunft Wo es kippte Art Selbstsicherheit Nächster Schritt
Fall aus dem Modus Täglich, Bereich Herz-Kreislauf Der Hinweis mit der Untersuchung, die zwei Krankheiten derselben Gruppe trennte Denken Hoch Den Fall erneut bearbeiten und Befunde für und gegen jede Hypothese auflisten
Prüfungsfrage Eine Angabe in der Aufgabenstellung, die du nicht gelesen hast Aufmerksamkeit Mittel Lange Aufgabenstellungen erneut lesen und die Schlüsselangaben vor den Antwortoptionen markieren
Diskussion im Praktikum Ein Mechanismus, den du nicht erklären konntest Wissen Niedrig Den Mechanismus lernen und eine Frage dazu schreiben

Beachte, dass dieselbe Krankheit in Zeilen unterschiedlicher Art auftauchen kann. Das Heft hält den Grund des Fehlers fest, nicht nur das Thema.

Schreiben hilft beim Nachdenken

Der AMEE-Leitfaden über Reflexion in der medizinischen Ausbildung listet mehrere Formen auf, Reflexion zu fördern, von schriftlichen Reflexionstagebüchern bis zu Berichten über kritische Ereignisse (Sandars, 2009). Der Leitfaden hebt die angeleitete Reflexion mit einer Mentorin oder einem Mentor oder einer Begleitperson hervor, die Annahmen hinterfragt, sowie die Rolle der Rückmeldung, die Reflexion stärkt (Sandars, 2009). Laut dem Leitfaden hängt die Wahl des Formats vom Ziel ab, aber auch von der Person, die reflektiert, denn jeder Mensch hat einen bevorzugten Stil (Sandars, 2009). Derselbe Leitfaden räumt ein, dass es wenig Forschungsevidenz dafür gibt, dass Reflexion die Qualität der Versorgung verbessert (Sandars, 2009).

Eine systematische Übersichtsarbeit über Reflexion in den Gesundheitsberufen kam zu einem ähnlichen Ergebnis: Die Evidenz, die Reflexionsmaßnahmen im Curriculum stützt, ist weiterhin größtenteils theoretisch (Mann et al., 2009). Die Autorinnen und Autoren bemerken außerdem, dass die Literatur über mehrere Felder verstreut ist und dass nicht klar ist, welche Ansätze wirksam sind oder Wirkung haben (Mann et al., 2009). Das Fehlerheft ist also eine empfohlene Praxis auf der Grundlage von Prinzipien und keine Methode mit eigener Studie. Wenn du zu dieser Art von Frage forschst, ist NEXO Researcher das Programm, um Studien mit NEXO vorzuschlagen.

Wenig und immer

Als praktischer Tipp notiere am selben Tag, solange der Fall frisch ist, und eine Zeile pro Fehler. Ein zu langes Heft wird zu einem Stapel, den niemand erneut liest. Wenn die Zeit knapp ist, erfasse nur die Fehler, die überrascht haben, und die richtigen Antworten, die geraten waren.

Zusammengesetztes weißes Puzzle, bei dem genau ein Teil fehlt und an seiner Stelle der schwarze Hintergrund zu sehen ist.
Das fehlende Teil ist leichter zu finden, wenn der Rest an seinem Platz ist. Bild: Willi Heidelbach, CC BY 2.0 (Lizenz), via Wikimedia Commons (Dateiseite).

Art des Fehlers: Wissen, Denken, Aufmerksamkeit

Nicht jeder Fehler verlangt dieselbe Antwort. Wer den Inhalt nicht kannte, muss lernen; wer ihn kannte und nicht nutzte, muss das Denken trainieren; wer falsch gelesen hat, muss die Art des Lesens ändern. Die Fehlerart zu trennen, macht das Heft zu einer Landkarte und nicht nur zu einer Liste.

Drei Kategorien für das Heft

Als praktischer Tipp nutze drei einfache Kategorien. Diese Einteilung stammt aus dem Editorial von NEXO und ist für das Heft gedacht; die weiter unten genannten Studien verwenden eigene Kategorien.

Typ Zeichen im Heft Was danach zu tun ist
Wissen Du kanntest die Angabe, die Krankheit oder den Mechanismus nicht Das Thema lernen und eine Frage erstellen, um es später zu prüfen
Denken Du kanntest es, hast die Angabe aber nicht mit der Diagnose verbunden, oder du bist bei der ersten Hypothese stehen geblieben Den Fall erneut lösen und jede Hypothese mit Befunden dafür und dagegen begründen
Aufmerksamkeit Du hast falsch gelesen, eine Angabe übersprungen oder einen Begriff vertauscht Die Art des Lesens ändern: Schlüsselangaben unterstreichen, die Aufgabenstellung vor der Antwort erneut lesen

Diese Kategorien sind eine Vereinfachung für den persönlichen Gebrauch. Die Studien mit Studierenden verwenden detailliertere Klassifikationen, und sie helfen zu schärfen, was jede Kategorie verbirgt.

Aufmerksamkeitsfehler

Ein Aufmerksamkeitsfehler lässt sich leicht als "Dummheit" abtun. Als praktischer Tipp notiere, wenn die Zeile im Heft zur Aufmerksamkeit gehört, was genau du übersehen hast: eine Zahl, eine Verneinung in der Aufgabenstellung, eine Angabe aus der Anamnese, einen hastig gelesenen Hinweis. Mit der Zeit zeigt das Heft, ob es ein Muster gibt, etwa Angaben am Ende langer Aufgabenstellungen zu überspringen, und das Muster legt die Änderung nahe: die ganze Aufgabenstellung vor den Antwortoptionen lesen oder die Hinweise vor der Hypothese erneut lesen.

Was die Studien bei Studierenden finden

In einer Studie mit 88 Studierenden, die Fälle mit Dyspnoe auf einer elektronischen Plattform lösten, identifizierten die Forscher acht Ursachen für diagnostische Fehler (Braun et al., 2017). Die häufigsten waren fehlende diagnostische Fertigkeit mit 24% und unzureichende Wissensbasis mit 16% (Braun et al., 2017). Ebenfalls ins Gewicht fielen die falsche Erzeugung des Fallkontexts mit 15% und der vorzeitige Abschluss mit 10% (Braun et al., 2017). Die Ursachen variierten von Fall zu Fall (Braun et al., 2017). Insgesamt waren es 704 Lösungen, und nach jeder nannten die Studierenden die Diagnose und erklärten, wie sie dazu gekommen waren (Braun et al., 2017). Die Spalte "Wo es schiefging" im Heft verlangt dieselbe Übung: erklären, wie du zur Antwort gekommen bist.

Die Autoren schließen, dass unzureichende Fertigkeit und unzureichendes Wissen zusammen mit der falschen Erzeugung des Kontexts die Hauptprobleme im Denken der Studierenden sind (Braun et al., 2017). Was über vorzeitigen Abschluss und Verzerrungen bekannt ist, steht im Text über Differenzialdiagnose.

Wissen allein genügt nicht

In einer Studie mit 21 Studierenden, die Fälle laut denkend lösten, war die Nutzung verschiedener Kategorien diagnostischen Wissens nicht mit mehr richtigen Antworten verbunden (Kiesewetter et al., 2016). Die Autoren schließen, dass für die Lösung des Falls die kognitiven Handlungen, also was der Studierende mit der Information macht, wichtiger zu sein scheinen als die Wissenskategorien (Kiesewetter et al., 2016). In derselben Studie ging mehr metakognitive Aktivität, also das Nachdenken über das eigene Denken, mit der Anwendung mehr konzeptuellen Wissens und mit mehr Zeit am Fall einher (Kiesewetter et al., 2016). Die Autoren stellen die Hypothese auf, dass dies den vorzeitigen Abschluss verringert (Kiesewetter et al., 2016). Es ist eine kleine Studie. Als praktischer Tipp verlangt ein als "Denken" eingestufter Fehler Training mit Fällen, neben der Lektüre.

Richtig aus dem falschen Grund

In einer Studie mit 148 Studierenden und Fällen aus der Inneren Medizin analysierten die Forscher die Begründungen der richtigen Diagnosen: Die korrekte Diagnose erschien 1.135 Mal in 2.080 Prozessen (Braun et al., 2019). Unter den richtigen Antworten hatten 92% eine korrekte Begründung, 7% eine falsche Begründung und 1% war geraten (Braun et al., 2019). Die falschen Begründungen kamen hauptsächlich aus fehlendem Wissen über Pathophysiologie mit 50% und fehlender diagnostischer Fertigkeit mit 30% (Braun et al., 2019).

Die Autoren fassen zusammen, dass etwa 1 von 14 richtigen Diagnosen auf einer falschen Erklärung beruhte (Braun et al., 2019). Für das Heft notiere als praktischer Tipp auch die richtigen Antworten, bei denen du den Grund nicht erklären kannst.

Eine Taxonomie für Lehrende

Ein Team von klinischen Lehrkräften hat in Zyklen der Aktionsforschung einen Leitfaden mit fünf Kategorien von Schwierigkeiten beim klinischen Denken und Indikatoren für jede davon erstellt (Audétat et al., 2013). Es waren 8 Reflexionszyklen mit der Gruppe von Lehrkräften, bei denen die Ideen im eigenen klinischen Unterricht getestet wurden (Audétat et al., 2013). Die Indikatoren können sich je nach Art der Supervision ändern (Audétat et al., 2013). Das Ziel ist, der betreuenden Lehrkraft zu helfen, die konkrete Schwierigkeit zu erkennen und eine passgenaue Korrektur anzubieten (Audétat et al., 2013). Für die Studierenden ist die Idee dieselbe wie beim Heft: der Art der Schwierigkeit einen Namen geben, bevor man entscheidet, was zu tun ist. Das Heft in das Gespräch mit der betreuenden Lehrkraft mitzunehmen, verbindet die eigene Aufzeichnung mit dem Blick von außen.

Das Heft im Praktischen Jahr

Im Praktischen Jahr passiert ein guter Teil der Fehler vor der Patientin oder dem Patienten und der betreuenden Lehrkraft. Als praktischer Tipp notiere am Ende des Tages, was die betreuende Lehrkraft korrigiert hat und warum, im selben Format wie das Heft. Wie du Fragen vom Krankenbett in das Studium mitnehmen, steht im Text über wie man im Praktischen Jahr lernt, und wie du den Fall präsentierst und die Korrektur anhören, im Text über klinisches Denken im Praktischen Jahr.

Im Zyklus wiederholen

Ein Heft, das nur beschrieben wird, wird zu einem toten Archiv. Der Wert liegt darin, darauf zurückzukommen und zu testen, statt erneut zu lesen.

Den Fehler testen, nicht den Fehler erneut lesen

Als praktischer Tipp verwandle die Spalte "Nächster Schritt" in eine Frage. Beim Wiederholen deckst du die Antwort ab und versuchst zu antworten, bevor du nachsiehst. Testen bringt mehr als erneutes Lesen, wie der Text über Wiederholen durch Spielen zeigt. Wenn die Lücke aus Fakten besteht, die du über Monate behalten musst, übertrage die Frage in eine Karte, wie der Leitfaden zur verteilten Wiederholung beschreibt.

Ein möglicher Zyklus

Als praktischer Tipp lässt sich der Zyklus unten an deine Phase und deine Zeit anpassen:

Zeitpunkt Was mit dem Heft zu tun ist
Am Tag des Fehlers Die Zeile eintragen und die Erklärung lesen
Einige Tage später Die Fragen der Woche erneut testen, ohne nachzusehen
Am Ende der Woche Die Arten von Fehlern zählen und ein Thema zum Lernen auswählen
Wochen später Ähnliche Fälle im Thema mit den meisten Fehlern erneut bearbeiten
Vor der Prüfung Die Zeilen testen, bei denen du mehr als einmal falsch lagst

Die Fehler zählen

Nach einigen Wochen mit dem Heft zählst du. Wie viele Fehler beim Wissen, beim Denken und bei der Aufmerksamkeit? In welchen Bereichen? Mit welcher Sicherheit? Als praktischer Tipp nutze die Zählung, um das Lernen der nächsten Woche zu entscheiden: viele Wissensfehler in einem Bereich verlangen das Studium des Themas; viele Denkfehler verlangen mehr Fälle; viele Aufmerksamkeitsfehler verlangen eine andere Art des Lesens.

Vor der Prüfung

Als praktischer Tipp wird das Heft in den Wochen vor der Prüfung zum Wiederholungsplan: beginne mit den Zeilen, die noch offen sind, dann mit den Bereichen mit den meisten Fehlern und schließlich mit den Treffern beim Raten. Die Zeilen zu testen, statt erneut zu lesen, folgt dem Prinzip, das im Text über Wiederholen durch Spielen beschrieben wird.

Die Zeile schließen

Eine Zeile schließt sich erst, wenn du die Frage Tage später richtig beantworten und erklären kannst, warum. Wenn du erneut falsch liegst, bleibt die Zeile offen und kommt im nächsten Zyklus wieder. Wenn es eine Karte ist, bei der du immer falsch liegst, zeigt der Leitfaden zur verteilten Wiederholung, was zu tun ist.

Rosa Radiergummi an einem gelben Bleistift, aus der Nähe betrachtet, mit grüner und goldener Metallzwinge.
Korrigieren ist Teil des Weges und kein Zeichen des Scheiterns. Bildnachweis: Abequinn14, CC0 1.0 (Lizenz), via Wikimedia Commons (Dateiseite).

Lesen, wo du bei den Hinweisen falsch lagst

In einem Fall, der nach und nach eintrifft, hat der Fehler einen Ort: den Hinweis, bei dem du die Meinung hättest ändern können und es nicht getan hast, oder den Hinweis, bei dem du in die falsche Richtung abgewichen bist. Diesen Ort zu finden, ist es, was "ich habe den Fall verfehlt" von "ich habe das Fieber nicht mit dem Herzgeräusch verbunden" trennt, und genau dieser zweite Satz kommt in das Heft.

Bis zu sechs Hinweise, mit Rückmeldung zu jeder Hypothese

Bei NEXO kommt jeder Fall in bis zu sechs Hinweisen, einer nach dem anderen, und jede Hypothese zeigt die Nähe in der ICD-10 in fünf Stufen. Beim dritten Hinweis erscheint der Bereich des Falls und beim fünften die ICD-Gruppe. Diese Rückmeldung zu jeder Hypothese hinterlässt eine Spur: bei welchem Hinweis du nah dran warst, bei welchem du dich entfernt hast und bei welchem du richtig lagst.

Was am Ende des Falls zu betrachten ist

Als praktischer Tipp beantworte am Ende jedes Falls drei Fragen und notieren sie im Heft:

  1. Bei welchem Hinweis hätte ich die Meinung ändern sollen? Diese kommt in die Spalte "Wo es sich gewendet hat".
  2. War ich bei der ICD-10 nah dran? Die richtige Gruppe zu erreichen und die Krankheit zu verfehlen, deutet auf eine Lücke bei der Unterscheidung hin; weit entfernt zu sein deutet darauf hin, dass das Denken vom falschen Bereich ausging.
  3. Warum habe ich nicht gewechselt? Wusste ich nicht, was der Hinweis bedeutete, wusste ich es und habe es nicht verbunden, oder habe ich nicht aufmerksam gelesen?

Die Erklärung am Ende des Falls schließt den Kreis aus Testen und Korrigieren. Wie man den Hinweis, bei dem man seine Meinung geändert hat, in einen Lernplan verwandelt, steht im Text über Lernen durch Spielen.

Täglich, Archiv und dein Heft

Der Modus Täglich bringt einen Fall pro Tag, denselben für alle, und erneuert sich um Mitternacht: eine neue mögliche Zeile im Heft jeden Tag. Das Archiv sammelt die früheren Tagesfälle, gut, um in einen Bereich zurückzukehren, in dem das Heft viele Fehler zeigt. Die Serie erfasst die Tage, an denen du gespielt hast, und die Erfolge markieren den Weg. Um die Grenzen jedes Modus zu verstehen, sieh dir die Seite zur Wirtschaft von NEXO an. Um den fehlenden Punkt in eine Karte zu übertragen, wird der Anki-Knopf in NEXO im Leitfaden zur verteilten Wiederholung beschrieben.

Den Fehler mit der Gruppe besprechen

Da der Fall im Modus Täglich für alle derselbe ist, kann die Gruppe vergleichen, wo jeder umgeschwenkt ist. Der Leitfaden der AMEE erinnert daran, dass angeleitetes Nachdenken, mit jemandem, der die Annahmen hinterfragt, wichtig ist (Sandars, 2009). Den eigenen Fehler laut einem Kollegen zu erklären, ist eine einfache Möglichkeit, das zu tun.

Zum Forschen, für die Gruppe und zum Erstellen

Wenn du Lernen erforschst und Fehler und Lücken mit NEXO untersuchen willst, lerne NEXO Researcher kennen. Um NEXO an die Fakultät, die Fachschaft oder die Weiterbildung zu bringen, gibt es NEXO Closer. Ärzte, die die Fälle ihres Fachgebiets prüfen, machen über NEXO Curator mit, und wer Gesundheitsinhalte in den sozialen Medien erstellt, kann über NEXO Creators mitmachen.

Häufige Fehler mit dem Heft

  • Nur die richtige Antwort notieren: ohne das "Warum" zeigt die Zeile den Inhalt, aber nicht die Art der Lücke.
  • Erneut lesen statt testen: zu versuchen, vor dem Blick auf die Antwort zu antworten, hilft mehr (Kornell et al., 2009).
  • Die Treffer beim Raten ignorieren: ein Teil der richtigen Diagnosen stützt sich auf eine falsche Erklärung (Braun et al., 2019).
  • Dem Eindruck vertrauen, es schon zu wissen: die Selbsteinschätzung ist meist wenig genau (Davis et al., 2006).
  • Alles als "fehlendes Lernen" einordnen: diagnostische Fähigkeit und Kontext des Falls wiegen ebenfalls (Braun et al., 2017).
  • Zu viel schreiben: eine Zeile pro Fehler, am selben Tag, ist leichter durchzuhalten.

Häufige Fragen

Was ist ein Fehlerheft?

Es ist eine Aufzeichnung der Fehler, die du in Fällen, Fragen und Prüfungen machst, mit dem, was du geantwortet hast, was es war, warum du dich geirrt hast und was danach zu tun ist. Es dient dazu, Lernlücken zu finden und erneut zu testen, was du falsch gemacht hast.

Funktioniert ein Fehlerheft?

Das Heft selbst wurde noch nicht in einer Studie getestet. Die Studien zeigen, dass der Versuch zu antworten und danach die Antwort zu sehen beim Lernen hilft (Kornell et al., 2009) und dass die Rückmeldung nach dem Fehler die Behaltensleistung stark erhöht (Pashler et al., 2005). Das Heft ist eine geordnete Form, das anzuwenden.

Fehlerheft oder Anki?

Beide ergänzen sich. Das Heft bewahrt den Grund des Fehlers und hilft zu entscheiden, was zu lernen ist; die Karte hält einen Fakt über die Monate abrufbar. Als praktischer Tipp kommt zuerst die Zeile im Heft und, wenn die Lücke einen Fakt betrifft, den du dir merken musst, wird daraus eine Karte, wie der Leitfaden zur verteilten Wiederholung beschreibt.

Wie viel Zeit sollte man mit dem Heft verbringen?

Für die ideale Zeit gibt es noch keine gute Evidenz. Als praktischer Tipp behalte eine Zeile pro Fehler bei, am selben Tag geschrieben, und halte die Wiederholung für die Testmomente der Woche frei.

Papier oder digital?

Ganz egal. Wichtig ist, die richtigen Spalten zu haben und zum Heft zurückzukehren, um zu testen. Eine Tabelle erlaubt es, die Arten von Fehlern leichter zu zählen.

Sollte ich die Treffer notieren?

Die Treffer beim Raten und die Treffer, die du nicht erklären kannst, ja. In einer Studie mit Studierenden hatten 7% der richtigen Diagnosen eine falsche Begründung (Braun et al., 2019).

Wie erkennt man, ob der Fehler beim Wissen oder beim Denken lag?

Frage dich, ob du den Inhalt kanntest. Wenn nicht, ist es Wissen. Wenn du ihn kanntest und nicht genutzt hast, oder zu früh aufgehört hast, ist es Denken. In den Studien mit Studierenden gehören fehlende diagnostische Fähigkeit und fehlendes Wissen zu den häufigsten Fehlerursachen (Braun et al., 2017).

Gibt es Evidenz für das Nachdenken über Fehler?

Die Evidenz zum Nachdenken in der Gesundheitsbildung ist noch größtenteils theoretisch (Mann et al., 2009). Das Nachdenken wird als Praxis empfohlen, mit der Einschränkung, dass Studien zur Wirkung auf die Qualität der Versorgung fehlen (Sandars, 2009).

Wie hilft NEXO, Lücken zu finden?

Jeder Fall kommt mit bis zu sechs Hinweisen, und jede Hypothese zeigt die Nähe in der ICD-10. So kannst du sehen, bei welchem Hinweis du deine Meinung geändert hast und ob du nahe an der richtigen Krankheitsgruppe lagst. Der Modus Täglich gibt dir jeden Tag einen neuen Fall, und das Archiv lässt dich zu den Bereichen zurückkehren, in denen du am häufigsten falsch liegst.

Taucht das Heft im Grundstudium auf?

Ja. Als praktischer Tipp gilt für das Grundstudium: Nutze dieselben Spalten für Mechanismen und Wege, die du nicht erklären konntest, mit einer Frage als nächstem Schritt. Im klinischen Studium und im Praktischen Jahr nimmt das Heft auch die Fehler aus Fällen und aus der Differenzialdiagnose auf. Wie man Mechanismus und Symptom verbindet, steht im Text über vom Grundstudium bis zur Klinik.

Wie oft sollte man das Heft wiederholen?

Für das optimale Intervall beim Heft gibt es noch keine gute Evidenz. Einige Tage später erneut abzufragen und das Thema über Wochen hinweg erneut aufzugreifen, folgt dem Prinzip der verteilten Wiederholung, das im Leitfaden zur verteilten Wiederholung beschrieben wird.

Checkliste für das Fehlerheft

  1. Notierst du den Fehler noch am selben Tag?
  2. Hältst du fest, wo du abgebogen bist, also den Hinweis oder die Angabe, die die Antwort hätte ändern müssen?
  3. Klassifizierst du die Fehlerart: Wissen, Denken oder Aufmerksamkeit?
  4. Notierst du deine Sicherheit, bevor du die Antwort siehst?
  5. Hältst du die richtig geratenen Hypothesen fest und die, die du nicht erklären kannst?
  6. Machst du aus jeder Zeile eine Frage, um sie später abzufragen?
  7. Fragst du erneut ab, statt nur nachzulesen?
  8. Zählst du die Fehlerarten und wählst danach das Thema der Woche?
  9. Schließt du die Zeile erst, wenn du richtig liegst und es erklären kannst?
  10. Nimmst du das Heft mit in das Gespräch mit dem Ausbilder oder der Gruppe?

Quellen

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  3. Butterfield B, Metcalfe J. Errors committed with high confidence are hypercorrected. J Exp Psychol Learn Mem Cogn. 2001. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/11713883/
  4. Davis DA, Mazmanian PE, Fordis M, et al. Accuracy of physician self-assessment compared with observed measures of competence: a systematic review. JAMA. 2006. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/16954489/
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  8. Kiesewetter J, Ebersbach R, Tsalas N, et al. Knowledge is not enough to solve the problems: The role of diagnostic knowledge in clinical reasoning activities. BMC Med Educ. 2016. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/27881121/
  9. Braun LT, Borrmann KF, Lottspeich C, et al. Guessing right: whether and how medical students give incorrect reasons for their correct diagnoses. GMS J Med Educ. 2019. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31844657/
  10. Audétat MC, Laurin S, Sanche G, et al. Clinical reasoning difficulties: a taxonomy for clinical teachers. Med Teach. 2013. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/23228082/

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